Augsburger Puppenkiste

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Geschichte
1943 gründeten Walter Oehmichen (1901–1977), seine Frau Rose Oehmichen (1901–1985) und ihre Töchter Hannelore (1931–2003) und Ulla ein eigenes kleines Marionettentheater: den „Puppenschrein“, eine kleine Bühne, die in einem Türrahmen aufgebaut werden konnte. In der Nacht zum 26. Februar 1944 wurde der Puppenschrein bei einem Bombenangriff auf Augsburg zerstört. Die Figuren blieben aber erhalten – Walter Oehmichen hatte sie glücklicherweise mit nach Hause genommen, nachdem er eine Vorstellung im Stadttheater Augsburg für die Kinder der Bühnenangehörigen gegeben hatte, wo der Puppenschrein ein Opfer der Flammen wurde. Heute ist lediglich noch eine Rosette des Puppenschreins erhalten.
Nach Kriegsende begann Walter Oehmichen mit den Planungen für ein neues Puppentheater. Mit dem ehemaligen Heilig-Geist-Spital fand er einen Raum, der als ständiger Aufführungsort dienen konnte. Zunächst musste sich Oehmichen die Spielstätte allerdings mit dem Statistischen Amt teilen.
Allen Widrigkeiten der Nachkriegszeit zum Trotz gelang es der Familie Oehmichen schließlich, unter dem Namen Augsburger Puppenkiste ihr Marionettentheater am 26. Februar 1948 – auf den Tag genau vier Jahre nach Zerstörung des Puppenschreins – mit dem Stück Der gestiefelte Kater zu eröffnen. Als Puppenspieler und Sprecher wurden junge Augsburger Schauspieler verpflichtet, unter ihnen Manfred Jenning. Er wurde schnell zum Hausautor der Puppenkiste und begründete 1951 mit dem alljährlich wechselnden Kabarett für Erwachsene eine Tradition, die seither beibehalten wird. Die erste „Kabarett“-Premiere wurde am 31. Dezember 1950 präsentiert.
Zunächst schnitzte Walter Oehmichen die Marionetten, übergab diese wichtige Aufgabe aber bald an seine Tochter Hannelore. Unter ihren talentierten Händen entstanden all die berühmten „Stars an Fäden“. Ihre erste Figur schnitzte Hannelore bereits im Alter von nur 13 Jahren, noch heimlich, weil sie das scharfe Schnitzmesser eigentlich nicht hätte benutzen dürfen. Ihre erste bekannte Figur war der kleine Prinz. In der Premierenvorstellung des Theaters führte Hannelore den gestiefelten Kater. Oehmichens Frau Rose kleidete die Puppen ein und übernahm als Sprecherin viele Mutter- und Großmutterrollen.
Zum 25. Jubiläum im Jahre 1973 übernahmen Hannelore und ihr Mann Hanns-Joachim Marschall, Schauspieler und ebenfalls lange Jahre in der Puppenkiste tätig, die Leitung des Marionettentheaters. 1977 starb Walter Oehmichen, der bis zu seinem Tode dem Theater helfend beistand. Rose Oehmichen starb 1985 und Tochter Hannelore wurde Inhaberin der Puppenkiste.
Seit Anfang der 1980er arbeitet Klaus Marschall, Sohn von Hannelore und Hanns-Joachim Marschall, im Theater mit. 1992 übernahm er die Leitung von seinen Eltern. Hanns-Joachim Marschall zog sich aus dem Theater zurück und starb 1999. Seine Frau Hannelore aber schnitzte weiter die Figuren und stand immer wieder helfend auf der Spielbrücke. Klaus' Bruder Jürgen stieg Anfang der 1990er in den Betrieb ein und unterstützte seine Mutter bei der Puppenherstellung. Nach ihrem Tod am 16. Mai 2003 trat er ihr Erbe an.
Die Spielstätte am Roten Tor wurde im Laufe der Jahre für das Theater räumlich sehr eng. Im Rahmen der Sanierung des Heilig-Geist-Spitals und Planungen für einen „Kulturpark Rotes Tor“ wurden von der Stadt Augsburg weitere Räumlichkeiten im Jahr 2000 zur Verfügung gestellt und ein neuer Theatersaal, dem alten gegenüber gelegen, eingerichtet. Am 21. Oktober 2000 wurde dieser Saal eröffnet.
Im Jahr 2004 wurde die Augsburger Puppenkiste mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Die berühmten Kistendeckel
Der Spielplan unter einem typischen Kistendeckel
Die berühmten Kistendeckel mit dem schräg gedruckten Namenszug Augsburger Puppenkiste und dem Zusatz Oehmichens Marionettentheater sind längst zum Markenzeichen der Puppenkiste geworden. Der Name Puppenkiste geht auf Walter Oehmichen zurück: Nachdem der Puppenschrein zerstört worden war, sollte sein neues Marionettentheater komplett Platz in einer Kiste finden, um so immer leicht transportfähig zu sein. Richtigerweise müssen die Kistendeckel also auch als Kistendeckel bezeichnet werden und nicht als Holztüren oder Tore.
Den Bühnenausschnitt (0,90 × 2 Meter) im Theater in Augsburg verschließen zwei überdimensionale Kistendeckel. Fürs Fernsehen gab es gesonderte, kleinere Deckel, die an die Bildschirmgröße beziehungsweise das Bildschirmformat von 4:3 angepasst waren. Bei fast allen Fernsehproduktionen der Puppenkiste kamen diese Kistendeckel, die nahezu unverändert seit Ende der 1950er Jahre verwendet wurden, zum Einsatz. Speziell für die Produktion Der Raub der Mitternachtssonne (1994) wurde ein neuer so genannter Insertkasten gefertigt, der dem Sendeformat 16:9 entsprechend länglicher ist.
Lediglich Fernsehsendungen, die unter alleiniger Beteiligung der Puppenkiste entstanden sind oder sich von den regulären Produktionen des Hessischen Rundfunks abheben sollten, kamen ohne die berühmten Kistendeckel mit dem hohen Wiedererkennungswert aus. Zu nennen sind hier die diversen Folgen für das Sandmännchen (1962–1982), Die Museumsratten (1965–1972), Ich wünsch' mir was (1968–1970), Wir Schildbürger (1972), Natur und Technik (1972–1976) und Ralphi (2004–2006).

Quelle: wikipedia.de